Reiseberichte
Reisetagebuch Mexiko 2008
Donnerstag, 16.10.2008
Zwei Tage vor Abreise das totale Chaos: Instrumente und Zubehör müssen kompakt zusammengepackt und auf alle Mitreisenden verteilt werden!
Das Problem: jeder Koffer darf nur 23 kg wiegen!
Also heißt es alles erstmal rein in die Koffer, rauf auf die Waage, Koffer wieder auf und alles wieder raus! Das Spiel wird solange wiederholt bis es passt.
Nachdem alle Gepäckstücke mit grünem Schleifenband versehen sind (zu besseren Erkennung am Flughafen), heißt es ab ins Bett. Nur noch zweimal Schlafen!!
Samstag, 18.10.2008
Um 5:00 Uhr deutscher Zeit fällt der Startschuss für das große Abenteuer Mexiko. Doch es stellt sich noch eine Frage: Wie packt man 66 Gepäckstücke in einen Bus? Ganz einfach: Klappe auf, Gepäckstücke rein und mit Glück geht die Klappe auch wieder zu. Geübte Tetrisspieler sind klar im Vorteil. Los geht’s zum Frankfurter Flughafen. Nach ungläubigen Blicken der Mitarbeiter von US Airways und endlich aufgegebenen 66 Gepäckstücken, die zuvor mit 15 Gepäckwagen in den zweiten Stock befördert wurden stellt sich erneut die Frage, warum man heute noch geduscht hat.
Doch dann sitzen wir alle optimistisch im Flieger US701 nach Philadelphia. Dort angekommen wird das Gepäck in Teamarbeit vom Band genommen, um es zum nächsten Flugzeug zu bringen.
Nachdem auch Josef endgültig als „Nicht-Terrorist“ durch die amerikanischen Sicherheitsbeamten identifiziert wurde (die Hosenträger waren Schuld), werden die zwei Stunden Aufenthalt genutzt, um sich die Beine zu vertreten oder es sich in einem kleinen Pub gemütlich zu machen.
Endlich in Cancun angekommen stehen wir vor dem nächsten Problem der Reise: Wo ist das fehlende 67. Gepäckstück (das es allerdings, was sich später herausstellte, gar nicht gab)? Herr Rommel, der inzwischen zu uns gestoßen ist, hilft uns schnell, die Sache aufzuklären und versorgt uns mit kühlen Getränken und selbst gemachten Brötchen.
Nach 31 Stunden Reisezeit kommen wir glücklich und erschöpft um 6:00 Uhr mexikanischer Zeit im Hotel Paseo in Campeche an.
Sonntag, 19.10.2008
Nach einem „ausgiebigen“ Toastfrühstück mit abgepackter Erdbeermarmelade, machen sich diejenigen mit dem größten Durchhaltevermögen auf, um Campeche zu erkunden.
Herr Rommel zeigt uns die Innenstadt, sowie die Kathedrale, in der wir am Abend unser erstes Konzert geben werden. Nach ein paar ruhigen Stunden am Nachmittag fahren wir um 18.30 Uhr zur Kathedrale, wo ein kleines Buffet auf uns wartet. Wegen der Abendmesse wird das mit dem Einspielen leider gestrichen, aber dennoch sind alle voll bei der Sache und das Konzert wird trotz der schweißtreibenden Hitze ein voller Erfolg.
Nach dem Konzert, das live im mexikanischen Fernsehen übertragen wurde, bleiben wir alle noch lange zusammen im „blauen Haus“ sitzen und lassen die Eindrücke mit ein oder zwei Corona erstmal sacken.
Montag, 20.10.2008
Auf den Spuren der Maya geht es am heutigen Tage zur Ausgrabungsstätte Edzna. Umgeben von Urwald und bei 30 °C entdecken wir die beeindruckenden Bauwerke einer großartigen Kultur: Auf meterhohen Pyramiden kann man die ganze Umgebung überblicken.
Auch viele Leguane sind hier zu Hause, die sich überall auf den Steinen in der Sonne aufhalten.
Am Nachmittag besuchen wir die Festung San Miguel, die damals zum Schutz der Stadt Campeche diente. Von dort aus hat man eine gute Aussicht über den Golf von Mexiko.
Unser zweites Konzert bestreiten wir abends im Theater.
Die Mexikaner sind nach einem gelungenen Auftritt total begeistert und wollen sogar Fotos und Autogramme von uns haben.
Dienstag, 21.10.2008
Heute wechseln wir zum ersten Mal das Hotel. Der nächste Aufenthaltsort heißt Ciudad del Carmen. Über Nacht hat es geregnet, so dass die Straßen der Ölstadt alle zentimeterhoch im Wasser liegen, da es keine Abflüsse gibt. Diese hätten auch nichts gebracht, den die Millionenstadt liegt mit dem Wasserspiegel auf gleiche Höhe.
Im Hotel angekommen, sind alle leicht geschockt. Ein 4-Sterne-Hotel sieht in unseren Augen etwas anders aus. Manche haben sogar nette Mitbewohner (Cucarachas) auf ihrem Zimmer. Aber auch hier bringen wir am Abend ein gelungenes Konzert im bis auf wenige Plätze gefüllten, prunkvollen Theater, wenn man nicht allzu genau hinter die Kulissen schaut hinter uns. Auch die Fotoshootings und Autogramme gehen uns schon leichter von der Hand.
Mittwoch, 22.10.2008
Nach einer viel zu kurzen Nacht, die keiner wirklich genossen hat, geht es mit dem Bus auf nach Merida, wo wir den Rest unserer Reise verbringen werden. Heute dürfen wir bei einem kleinen Stopp am Golf von Mexiko endlich im Meer schwimmen gehen.
Auch der ein oder andere Traum geht beim Genuss einer frisch aufgeschlagenen Kokosnuss unter Palmen in Erfüllung. Zur Erleichterung aller ist auch das Hotel Los Aluxes ein echter Ort zum Wohlfühlen.
Das Leben aus dem Koffer ist nun endlich vorbei. Nach dem wir gemeinsam gegessen und einen leckeren Cocktail, bzw. ein kühles Corona genossen haben, machen wir uns auf, um Merida zu erkunden.
Donnertag, 23.10.2008
Der heutige Tag steht unter dem Motto: Stadtrundfahrt mit dem Touribus, oder „Wir spielen Menschen- Nintendo“! Mit einem roten Doppeldeckerbus, der oben offen ist geht die Fahrt los vorbei an prächtigen Villen, beeindruckenden Bauwerken der Regierung und Maya- Denkmälern.
Alle sind total begeistert, bis wir merken, dass diese Fahrt nicht so harmlos ist, wie sie scheint: Tiefhängende Kabel und kleingewachsene Bäume zwingen uns dazu, wie in einem Videospiel alle paar Meter zwischen den Sitzen abzutauchen, wenn wir nicht enthauptet werden wollen.
Völlig aus der Puste, aber dennoch amüsiert wirft uns der Touribus bei Familie Rommel raus, um dort den Nachmittag zu verbringen. Bei leckeren Burritos von Frau Rommel und natürlich ein paar Flaschen Corona lassen wir es uns gut gehen und genießen am Pool den Tag.
Im Theater von Merida bestreiten wir erneut ein Konzert im prunkvollen Theater von Merida.
Auch wenn nur die Hälfte der Sitze besetzt ist, sind wir wieder überwältigt, wie sich die Mexikaner mit deutscher Blasmusik begeistern lassen.
Freitag, 24.10.2008
Endlich mal ein Tag Freizeit! Viele bummeln durch die Stadt um Souvenirs für zu hause zu kaufen oder schauen sich den typischen Obst- und Gemüsemarkt von Merida an, der wirklich ein Erlebnis ist: Stand an Stand geht es durch eine riesige Halle, in der sich viele Menschen tummeln, um ihre täglichen Einkäufe zu erledigen.
Auch der Hotelpool liegt auf den meisten Tagesplänen, da das Thermometer fast täglich die 30 °C erreicht.
Am Abend heißt es dann: O’zapft ist für den eigentlichen Grund unserer Reise, dem Oktoberfest!
Herr Rommel, der deutsche Botschafter Herr Wegener, sowie Vertreter der Stadt Merida eröffnen feierlich das Fest in der riesigen Kulturhalle mit einem frischen Hofbräu.
Samstag/ Sonntag, 25. und 26.10.2008
Zu unserem Erstaunen werden wir auch zu dieser Angelegenheit mit dem Touribus abgeholt.
Geübt meistern wir die Fahrt durch die engen Straßen bis zur Kulturhalle.
Viele Besucher, insgesamt knapp 5000, feiern mit uns an beiden Tagen ein gelungenes Oktoberfest. Am Ende können die Mexikaner sogar bei der Brikettpolka, sowie beim Schneewalzer mitschunkeln und sind jedes Mal ganz aus dem Häuschen wenn wir ihren Zacatecas- Marsch spielen.
Beim Weißbiereinschänken und Bierdeckel fangen, bringt Herr Rommel den Mexikaner auch einen Teil deutscher Bierzelt- Kultur bei.
In den Pausen geben wir fleißig Autogramme, stehen für Fotos zur Verfügung und kommen zu dem Entschluss: „Wir sind jetzt Stars!“
Nachdem Herr Rommel und das mexikanisch-deutsche Freundschaftsabzeichen, sowie einen echten Sombrero verliehen hat, ziehen wir feierlich mit einem Marsch aus der Halle.
Zu unserer großen Überraschung bietet Herr Rommel uns das Du an und heißt ab jetzt für alle Hans!
Montag, 27.10.2008
7. Weltwunder wir kommen! Heute geht es zu den riesigen Pyramiden von Chichen Itza. Unter der heißen Sonne Mexikos besichtigen wir die gut erhaltenen Bauwerke der Mayas! Am faszinierendsten ist sicherlich die Pyramide des Kukulcan mit einer einmaligen Akustik: klatscht man in die Hände, schallt es wie Vogelgeschrei zurück.
Unseren letzten Abend in diesem einmaligen Land beginnen wir mit einem gemeinsamen Abendessen zusammen mit Hans und seiner Frau,
der uns den Tipp gibt am Abend einen typischen Mayatanz in original Gewändern mitzuerleben.
In einer kleinen mexikanischen Bar lassen wir den Abend dann ausklingen und machen uns auf ins Bett.
Dienstag, 28.10.2008
Um 04.00 Uhr, ausgestattet mit einem Lunchpaket (Überraschung: Schon wieder Toast!), geht’s los zum Flughafen. Nach einem kurzen Zwischenstopp an der karibischen Küste von Cancun checken wir dank der Hilfe von Herrn Rommel ohne Probleme ein.
Wir verabschieden uns und versprechen vielleicht sogar noch mal wieder zu kommen.
Kurz bevor wir starten kommt es dann leider doch noch zu einem kleinen Zwischenfall: die Instrumente können nicht eingeladen werden, da ein wichtiges Dokument fehlt! Herr Rommel muss zurückkommen und klärt für uns die Sache auf! Eine Zwischenlandung in Charlotte und einige Stunden später landen wir nach 27 Stunden Reisezeit um 10:47 Uhr am Frankfurter Flughafen. Mit dem Bus geht’s dann zurück nach Fleckenberg, wo wir von unseren Familien in Empfang genommen werden!
Die Reise nach Mexiko war wohl für jeden von uns bis jetzt das größte Abenteuer! Wir haben viel gesehen, erlebt und durften nette Menschen kennen lernen.
Unser größtes Dankeschön gilt Familie Rommel, die sich mit großem Engagement um uns gekümmert und bemüht hat. Außerdem möchten wir uns bei Frau Köss und allen anderen Helfern recht herzlich bedanken!



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